Der Anlasser und das Elektroauto

(wy) - Mancher mag das Elektroauto, um das in letzter Zeit viel Hype betrieben wurde, für eine hochmoderne Erfindung halten. Tatsächlich jedoch ist das Elektroauto so alt wie das mit Verbrennungsmotor und war bereits in den Anfangszeiten des Kraftwagens eine beliebte Alternative.

Wer als Kind Mickymausgeschichten gelesen hat, kennt wahrscheinlich auch das Auto von Oma Duck. Mindestens in einer Geschichte ist auch davon die Rede, dass es sich dabei um ein Elektroauto handelt. Wenn man sich außerdem anschaut, mit welcher Detailtreue das Ambiente des ländlichen Mittelwestens der Zwischenkriegszeit in den Comics wiedergegeben wird, kann sicherlich denken, dass jenes Auto nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern ein reales Vorbild hat.

 

Tatsächlich ähnelt Oma Ducks Schnauferl frappant den Elektroautos, welche Anfang des 20. Jahrhunderts von Detroit Electric hergestellt wurden. Elektroautos waren nämlich um 1900 herum relativ verbreitet und es war lange noch nicht ausgemacht, dass das Auto mit Verbrennungsmotor schließlich das Rennen machen würde. Zwar hatten die Elektroautos damals bereits das Problem, dass sie nach einer gewissen Fahrtstrecke wieder für längere Zeit an die Ladestation mussten, aber auch der Verbrennungsmotor hatte ein großes Handikap: Man musste ihn ankurbeln.

Wer jemals versucht hat einen Motor anzukurbeln oder auch ein großvolumiges Motorrad mit dem Kickstarter in Gang zu setzen, weiß, dass dies kein ungefährliches Unterfangen ist. Wenn man sich etwas ungeschickt anstellt, kann es passieren dass der Motor zurückschlägt. Wenn man dann mit einer Prellung davon kommt, hat meiner vergleichsweise Glück gehabt, denn ein zurück schlagender Kickstarter oder eine Andrehkurbel kann ohne weiteres einen Arm-bzw. Unterschenkelknochen brechen.

 

Verblüffende Ähnlichkeit mit Oma Ducks Auto: Elektroauto von Detroit Electric (Foto:Teemu Mäntynen, lizensiert nach CC)

 

Da auch damals schon die Automobilisten nicht alle muskelstrotzende Männer mit außergewöhnlicher Körperbeherrschung waren, gingen viele der bösen Andrehkurbel aus dem Weg, indem sie sich für ein Elektroauto entschieden. Bereits 1899 jedoch hatte der Amerikaner Clyde J. Coleman einen Anlasser für Autos erfunden und 1903 auf eine tatsächlich funktionstüchtige Version dieses Aggregat ein Patent genommen. Vermutlich nach 1910 kamen die ersten Fahrzeuge mit Anlasser auf den Markt. Etwa ab 1920 verschwand dann die Anlasskurbel mehr oder weniger vollständig in der Mottenkiste der Automobiltechnik.

Damit war nun das größte Manko des Autos mit Verbrennungsmotor beseitigt. Nun konnte es seine Vorzüge ins Treffen führen, nämlich seine größere Reichweite und das schnellere Betanken. Die Elektroautos verschwanden nun aus dem Straßenbild. In der Zwischenzeit wurde immer wieder mit Elektroautos experimentiert, aber seine Kernprobleme, die geringe Reichweite, das hohe Gewicht der Batterie und und die langen Ladephasen, wurden bis heute noch nicht wirklich zufrieden stellend gelöst.