Subaru Forester: Boxer unter Strom

Subaru/ Forester e-Boxer/ 2020

 
 
 

Der Subaru Forester ist der Inbegriff des Feld-, Wald- und Wiesenkombis. Jetzt entdeckt er sogar die Spritspartechnik: Anfang 2020 fährt die neue Generation in der Hybridvariante e-Boxer vor.

Der erste Eindruck: Bloß keine Sperenzchen! Der Subaru Forester tritt auch in der fünften Generation als seriöser Landarbeiter auf.

Das sagt der Hersteller: Subaru inszeniert sich gerne als Nischenmarke und verspricht seinen Kunden so das Image von charakterstarken Individualisten, die gegen den automobilen Strom schwimmen. Tatsächlich aber ist das nicht nur Inszenierung, die Marke geht unbeirrt eigene Wege: Dazu passt das konsequente Festhalten am Boxermotor, am ausgefuchsten Allradantrieb und die weitgehende Verweigerung der sonst allgegenwärtigen Digitalisierung.

Bislang ging die Rechnung auf. In Europa legte Subaru bei den Neuzulassungen im vergangenen Jahr um vier Prozent zu. Das meistverkaufte Modell, auch weltweit, ist der Forester. Allerdings ist die Ära des Eremitentums bei Subaru wohl endlich. Die finanziellen Belastungen durch neue Entwicklungen hin zur Elektromobilität, die drängende CO2-Reduktion wegen immer strengerer Grenzwerte und die zunehmenden Automatisierung des Fahrens sind für einen kleinen Hersteller wie Subaru auf Dauer wohl zu groß.

Daher sollen künftig die schon vorhandenen Verflechtungen mit Toyota noch enger werden, von gemeinsamen Fahrzeug-Architekturen und Automodellen ist bereits die Rede. Der Hybridantrieb, der den Forester mit dem Generationswechsel sauberer machen soll, ist allerdings noch eine Subaru-Entwicklung.

Das ist uns aufgefallen: Von wegen elektrischer Stille. Zwar kann selbst der Kundendienstchef des deutschen Subaru-Importeurs nicht so recht erklären warum, doch anders als die meisten Hybridmodelle startet der Forester selbst mit voller Batterie beim Anlassen erst einmal den Boxermotor. Man hört also erst einmal das Knurren des Verbrenners.

Danach hat es der Fahrer in der Hand – oder besser: im Fuß, mit welcher Energie der Subaru bewegt werden soll. Wenn man das rechte Pedal lediglich streichelt, fährt der Forester tatsächlich rein elektrisch. Allerdings darf man sich, typisch für einen Vollhybrid, davon nicht zu viel erwarten: Die Kapazität des Akkus reicht gerade mal für etwa 1,5 Kilometer elektrische Fahrt, und mehr als 40 km/h sind mit dem 10-kW-Maschinchen auch nicht drin.

Das ist so gewollt. Projektleiter Tomoyuki Nunome geht es beim „E-Boxer“ nämlich nicht um längere elektrische Etappen. Viel wichtiger sei neben der gesteigerten Effizienz der größere Fahrkomfort. Die E-Maschine wirkt ein bisschen wie ein Turbo, sie erzeugt beim Anfahren oder bei Zwischenspurts zum Überholen etwas mehr Nachdruck. Und es gibt noch einen Effekt: Der Stromer springt dem 2,0 Liter großen Verbrenner (150 PS Leistung) immer dann zur Seite, wenn der im Ringen mit der stufenlosen Automatik an seine Grenzen kommt. Der Boxermotor muss deshalb nicht so hoch drehen und der von CVT-Getrieben bekannte Gummibandeffekt, verbunden mit quälend lautem Sägen, wird deutlich entschärft.

So wohltuend die neue Ruhe beim Reisen ist, bleibt der Einfluss des Tandemantriebs auf die Effizienz eher gering. Höchstens zehn Prozent sparsamer ist der E-Boxer. Der Normverbrauchswert liegt bei 6,7 Liter. Dafür schleppt das Auto mehr als zwei Zentner zusätzliche Technik mit, die sich Subaru zudem ordentlich bezahlen lässt. Immerhin gibt es beim Platz keine Einschränkungen: Weil der Wagen mit dem Generationswechsel etwas größer wurde, bietet er trotz der Batterie im Heck des Autos 509 Liter Kofferraumvolumen – vier Liter mehr als bisher.

Eines darf man bei aller Fokussierung auf den E-Boxer nicht vergessen: Nicht nur der Antrieb, das ganze Auto ist neu. Das kann man beim Fahren fühlen, weil der Wagen etwas verbindlicher reagiert, in Kurven nicht mehr so leicht in die Knie geht und sich besser in der Spur halten lässt. Aber man kann es schwerlich sehen. Denn nach wie vor verströmt der Forester einen eher rustikalen Charme, auch wenn es etwas mehr Chromschmuck, LED-Leuchten und leicht veränderte Proportionen für das neue Modell gibt.

Das Auto strahlt jedenfalls mehr Tatkraft aus als Chic und wirkt neben all den SUV mit ihren großen Touchscreens und Digital-Cockpits ein wenig aus der Zeit gefallen. Dabei gibt es jetzt auch im Forester einen gut integrierten Bildschirm, der auf Fingerzeig reagiert, es gibt Assistenzsysteme, die den Abstand und die Spur einhalten und sogar vor drohenden Unfällen beim Öffnen der Türen warnen. Außerdem ist, als besonderer Clou, eine Gesichtserkennung an Bord, dank der die Elektronik Sitz- und Spiegelposition, Musikauswahl und Klimavorlieben für jeden gespeicherten Fahrer automatisch einstellt.

Das muss man wissen: Der auf einer neuen, global genutzten Plattform aufgebaute Forester mit dem E-Boxer kommt Anfang nächsten Jahrs in den Handel und kostet mindestens 34.990 Euro. Flankiert wird der Allrad-Kombi vom etwas kleineren Subaru-Modell XV, das zeitgleich ein Facelift erhält und im Zuge dessen ebenfalls den Boxer-Hybridantrieb bekommt. Die XV-Preise starten bei 30.690 Euro.

Das werden wir nicht vergessen: Das Sicherheitssystem Eye-Sight, das nicht nur auf die Straße schaut, sondern auch auf den Fahrer und dessen Aufmerksamkeit per Kamera kontrolliert. Wenn man ständig auf den Bildschirm schielt, um herzufinden, wie es gelingt, den Wagen mal rein elektrisch zu bewegen, gibt es sofort ein warnendes Gebimmel. Augen auf die Straße (oder den Feldweg) – so soll es sein.

Fahrzeugschein
Hersteller: Subaru
Typ: Forester e-Boxer
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Boxer
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Leistung (E-Motor): 13 PS (10 kW)
Drehmoment: 194 Nm
Von 0 auf 100: 11,8 s
Höchstgeschw.: 188 km/h
Verbrauch (ECE): 6,7 Liter
CO2-Ausstoß: 155 g/km
Kofferraum: 509 Liter
Maße: 4625 / 1815 / 1730
Preis: 34.990 EUR