Passt das? Designer-SUV mit Spar-Diesel

BMW X4 und Mercedes GLC Coupé – zwei SUVs mit flottem Fließheck und sparsamem Diesel. Was taugt dieser Mix? Ein Test-Vergleich.

Nur weil einer in Jogginganzug und Turnschuhen durchs Leben läuft, ist er nicht zwangsläufig ein Spitzenathlet. Aber zumindest sieht’s sportlich aus. So ungefähr verhält es sich mit diesen sparsamen Diesel-SUVs in flotten Coupé-Jogginghosen. Zum einen ist da der BMW X4 xDrive 20d. Extravagante Erscheinung, aber unter der sportlich modellierten Nase rumort ein Zweiliter-Diesel mit überschaubaren 190 PS. Vor allem mit der Ausstattungsvariante X-Line brüllt die Form permanent irgendwas von „Freude am Fahren“, während sich die Funktion ganz klar der sparsamen Fortbewegung verpflichtet fühlt. Den passenden Partner für einen Vergleich finden wir seit August 2016 im Showroom von Mercedes. Sein Name: GLC 250 d 4Matic. Die Verpackung als AMG-Line sieht auch hier nach Dynamik aus – bis uns der 204 PS starke 2,2-Liter auf den Boden der Vernunft zurückholt. Bleibt die Frage: Wer schafft den Spagat besser?

Bei der Optik der SUV-Coupés scheiden sich die Geister

Erst mal die Optik: Im Abgang wirkt der GLC irgendwie feiner, läuft sanft aus, wo der X4 eine Art Buckel trägt. Abseits dieser absolut subjektiven Einschätzung herrscht ansonsten traute Einigkeit. Das Platzangebot fällt nahezu identisch aus – egal ob wir vorne sitzen, zweite Reihe gebucht haben oder unsere Koffer verstauen. Auch die Nachteile der vom Coupé inspirierten Karosserie teilen sich BMW und Mercedes brüderlich. Bei beiden fällt der Einstieg hinten nicht ganz leicht, weil wir uns zwischen flachem Dach und sich in den Weg drängelndem Radhaus durchfädeln müssen. Wer das schafft, sitzt hier wie da aber ordentlich. Zweites Design-Opfer: die Rundumsicht. Speziell nach schräg hinten geht hier wenig. Die C-Säulen stehen prominent im Blickfeld und lassen das ohnehin schon flache Heckfenster zu einer schmalen Guckluke verkommen. Ganz sicher lässt sich mit einem Schulterblick in X4 und GLC Coupé nur sagen, ob im Fond jemand sitzt. Ein paar Unterschiede haben wir dann aber auch noch gefunden.

In Sachen Fahrspaß liegt der X4 mal wieder vorne

Im Mercedes gefallen uns die Sitzposition vorn und die Materialanmutung minimal besser als beim BMW. Bei dem freuen wir uns dagegen über die neigungsverstellbare Fondlehne. Und den Dämpfer, der den Kofferraumboden anhebt – wie bei der Motorhaube. Beim GLC müssen wir den Boden von Hand anheben und ihn mit einem Haken arretieren. Beim Fahrer sammelt der X4 ebenfalls mehr Fleißsternchen. Die stark konturierten Sitze stützen jede Körperregion gegen das Verrutschen, die Bedienung übers iDrive gelingt fast im Schlaf, die Vernetzung ist flächendeckend. Der GLC kann an dieser Stelle nicht ganz verbergen, dass er ein wenig älter ist. Bei den schönen analogen Instrumenten stört das gar nicht, bei der komplizierteren Menüführung und dem insgesamt weniger modernen Multimediasystem durchaus. Und auch bei den Sitzen spielt das Alter eine Rolle – allerdings eher das des Fahrers. Den flach ausgeformten Polstern im Benz fehlt zwar Seitenhalt, dafür rutscht man ganz mühelos drauf.

Ein BMW ist ein BMW ist ein BMW – das gilt ganz eindeutig auch für den X4 mit Basis-Diesel. Auch wenn der Vierzylinder mit seinen 190 PS nicht gerade Bäume ausreißt, macht jeder Meter im schrägen Bayern-SUV richtig Laune. Die Lenkung zirkelt den 4,75-Meter-Münchner mit Präzision ums Eck, das straffe und dennoch nicht unangenehme Fahrwerk hält sauber die Ideallinie, die hellwache Achtstufenautomatik trifft immer und überall die richtige Übersetzung. Der X4 wirkt dabei so enorm steif, stabil und trittsicher – fast könnte man seine Größe und die 1,9 Tonnen Leergewicht vergessen.

Der Mercedes kommt besser in Schwung als der BMW

Für den Schwaben gilt: Ein Mercedes ist ein Mercedes ist ein Mercedes. Das feine Luftfederfahrwerk schluckt Absätze und Aufbrüche eine Spur eleganter und nimmt auf schlechten Straßen gekonnt die Härte raus – dafür gerät der 4,73 Meter lange Benz aber stärker in Wallung, rollt die Karosserie spürbar um die Längsachse. Zu diesem eher gemütlichen Fahreindruck trägt auch die feinfühlige, im Vergleich zum BMW aber weniger direkte Lenkung bei. Bevor Mercedes-Fans jetzt unruhig werden: Nein, der GLC ist unterm Strich kein träge taumelnder Trumm. Wer ihn fordert, kommt auch mit dem fast 1,9 Tonnen schweren Schwaben flink durch die Kurve – macht eben nur nicht ganz so viel Spaß wie im Kollegen aus München. Und vor der Spitzkehre heißt es im GLC auch immer einen Moment früher ankern als im X4. Obwohl der Mercedes aus Tempo 100 in wirklich guten 35,5 Metern stoppt, steht der Bayer tatsächlich noch einen Meter früher. Dafür kommt der GLC schneller in Schwung – egal, ob aus dem Stand oder mit fliegendem Start. Neben den 14 Mehr-PS hilft dabei vor allem der Drehmoment-Vorteil von 500 zu 400 Nm. Kurz ruft uns die Soundkulisse das Bild eines Taxis ins Gedächtnis, schon fegt der GLC 250 d in nur 7,4 Sekunden auf Tempo 100 und schafft mit ausreichend Anlauf 222 km/h Spitze.

Beim Bezahlen vergeht einem bei beiden der Spaß

Da kommt der X4 20d nicht ganz hinterher. Mit 0,7 Sekunden Verspätung erreicht er die 100-km/h-Marke, bis Tempo 160 fehlen dem Bayern schon 2,3 Sekunden, bei 213 km/h siegen die Fahrwiderstände endgültig über die Motorkraft. Mit dem Sprit gehen beide Diesel-SUVs dennoch angenehm verantwortungsvoll um. 6,9 Liter nimmt der X4 auf 100 Kilometer, 7,2 der GLC Coupé – das passt. Trotz SCR-Kat schaffen beide SUV-Coupés aber nur Euro 6c. Und die Preise? Bei einem Vergleich BMW gegen Mercedes erwarten wir ja keine Schnäppchen, aber X4 und GLC Coupé langen ganz schön hin. Auch wenn Allradantrieb und Automatikgetriebe schon mitfahren, finden wir 52.336 Euro für den GLC 250 d und 52.500 Euro für den X4 20d echt happig. Wobei wir hier vom Basispreis reden, im Test-Trimm liegt der BMW bei 59.250, der Benz sogar bei 60.810 Euro. Anders gesagt: Die Preise sind so sportlich, wie die Autos aussehen. Und trotzdem geizt Mercedes bei Garantie (zwei Jahre) und Wartungsintervall (jährlich/alle 25.000 km). Selbst BMW gönnt uns hier inzwischen drei Jahre Sorgenfreiheit und den Check nur alle zwei Jahre (oder 30.000 km).