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Nissan Micra im Test: Bunt, knackig und geräumig

Was früher ein Kleinwagen war, ist heute fast schon ein Kompakter. So geht es auch dem Micra in fünfter Generation. Was der Japaner kann, klärt der Test.

München – Der Nissan Micra hat schon eine ganze Reihe von gravierenden Wandlungen hinter sich. Vom kantigen Kleinwagen über den rundgelutschten Damen-Liebling bis zum gesichtslosen (Aller-)Weltauto reicht die Palette. Doch die aktuelle, die fünfte Generation markiert einen Neuanfang: Der kleine Japaner zeigt sich erwachsener, konturierter und als typischer Vertreter der Marke Nissan – halt im Kleinformat.

Wobei das Attribut Kleinwagen eigentlich Schnee von gestern ist. Denn der Mirca ist nicht nur markanter, sondern auch erwachsener geworden. Er bietet entspannt Platz für vier Passagiere, wenn’s sein muss auch für fünf, dazu noch einen alltagstauglichen Kofferraum mit einem Volumen von 300 Litern. Und mit seinen 4,0 Metern Länge steht er schon auf der Schwelle in die nächste, die Kompaktklasse.

Nissan Micra – markante Linien, ausgefallene Farben

Die Front mit Nissan-Kühler und Bumerang-Tagfahrlichtern, die kräftig modellierten, nach hinten ansteigenden Seiten, das hoch angesetzte Heck – sie wirken markant. Das Außendesign-Paket mit Stoßfänger-Stylingelementen, vorne und hinten orange abgesetzten Seitenleisten und Spiegelkappen (350 Euro), plus die 17-Zoll-Alus, ebenfalls farblich abgesetzt (150 Euro) und die Metalliclackierung in Enigma Black (510 Euro) des AZ-Testwagens waren vor allem eines: nämlich Geschmackssache, tendenziell ein Fall für junge, extrovertierte Piloten. Die Farbtupfer machen den Micra ein bisschen zum bunten Hund. Im Innenraum setzte sich dank des Extra-Pakets namens Energy Orange (400 Euro) die farbliche Individualisierung des Kleinen fort.

Grundsätzlich soll der Innenraum, so die Absicht der Designer, dank klarer Linien und der leicht erhöhten Sitzposition positive Gefühle vermitteln. Das tut er auch, wenn man mit der Farbauswahl klarkommt. Positiv fallen der 7-Zoll-Tourchscreen fürs Infotainment und das 5-Zoll-Display hinter dem Lenkrad auf, ebenso die logische Bedienung. Klar könnten die Materialien im Innenraum noch einen Tick wertiger ausfallen, aber bitte sehr, wird sitzen in einem Kleinwagen und bei der Verarbeitung hat sich Nissan wirklich Mühe gegeben. Weil das Testfahrzeug in der höchsten Ausstattungsstufe Tekna anrollte, verschönerte auch noch das beeindruckende Klangerlebnis des Bose Personal Sound-Systems mit in die Kopfstützen integrierten Hochtönern das Gesamterlebnis Micra. Keine Frage: Der Soundeffekt ist wirklich toll.

Ausprobiert wurde der 0,9-Liter-Turbo-Benziner mit drei Zylindern, der 90 PS leistet und im Prinzip für muntere Fahrleistungen sorgt: in 12,1 Sekunden von 0 auf 100, 175 km/h Spitze bei einem Normverbrauch von 4,6 und einem Testverbrauch von 6,4 Litern pro 100 Kilometer. Im Prinzip deshalb, weil sich das kleine Aggregat ein bisschen arg halbstark gebärdete und seine turbobeflügelten Kräfte recht unrund zur Verfügung stellte. Daran muss man sich als Micra 0.9 IG-T-Neuling erst einmal gewöhnen.

An Assistenzsystemen hat Nissan nicht gespart, im Tekna ist vom Notbremsassistenten, dem Spurhalte-, Fernlicht- und Totwinkel-Assistenten plus der Verkehrszeichenerkennung so ziemlich alles drin, der 360-Grad-Rundum-Kamerablick schlägt mit 500 Euro extra zu Buche – und auch für das Stopp-Start-System verlangt Nissan nochmal 200 Euro.

Nissan Micra – die Preise gehen bei 12.990 Euro los

Das Fahrverhalten des exakt 3999 Millimeter langen Micra ist klassengemäß und angenehm, mit einem erkennbar sportlichen Einschlag. Der mindert zwar den Komfort ein bisschen, sorgt aber für ein sicheres und knackiges Kurvenverhalten. Wer es nicht zu sehr fliegen lässt und den Dreizylinder nicht ständig bis zum Leistungsgipfel bei 5500 U/min hochdreht, freut sich über die niedrige Geräuschkulisse im Innenraum. Was in Sachen Funktionalität auffiel: Der Kofferraum ist mit bis zu 1.004 Liter zwar ordentlich groß, aber die Ladekante liegt vergleichsweise hoch, und das Gepäck muss über eine kräftige Stufe gewuchtet werden. Außerdem steigt die stufige Ladefläche nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen deutlich an.

Der Einstiegspreis für den Micra liegt bei 12.990 Euro (Visia 1.0 mit 71 PS), der Tekna kostet ab 19.990 Euro. Dank der vielen Extras des Testwagens summierte sich dessen Preis auf 22.100 Euro.

Technische Daten Nissan Micra 0.9 Tekna

Fünftüriger Kleinwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,0/1,74/1,46/2,53 Meter, Kofferraumvolumen: 300 bis 1.004 l, Leergewicht: 1.053 kg, zul. Gesamtgewicht: 1.530 kg, Tankinhalt: 41 l.

Motor: Dreizylinder-Reihenturbobenziner, Hubraum: 898 Kubik, max. Leistung: 66 kW/90 PS bei 5.500/min, manuelles 5-Gang-Getriebe, max. Drehmoment: 140 Nm bei 2.250/min, 0-100 km/h: 12,1 s, Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h, Normverbrauch: 4,6 l Benzin/100 km, CO2-Emission: 104 g/km, Preis: ab 19.990 Euro.